WhatsApp als Nachrichten-Kanal


Immer mehr Redaktionen setzen WhatsApp als zusätzlichen Nachrichten-Kanal ein. Die Reichweite ist verlockend, doch das Handling bereitet einige Hürden. Ein Erfahrungsbericht.

WhatsApp für Publisher

WhatsApp für Publisher | Bild: WhatsApp

Es setzt sich in deutschen Redaktionen immer mehr durch, WhatsApp als zusätzlichen Vertriebskanal für den eigenen Content einzusetzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Den User erreicht die Nachricht dort, wo er sich am meisten aufhält – direkt auf dem Lockscreen seines Smartphones.

Mit 800 Mio. Nutzern, davon 30 Mio. allein in Deutschland (Stand: Mitte 2015), ist ein Großteil der Mobile-User bei WhatsApp aktiv.

Es will allerdings gut vorbereitet sein, einen solchen Dienst zu starten. Die Nutzungsbedingungen von WhatsApp verbieten eine kommerzielle Nutzung, der (manuelle) Workflow ist grausig.

Ich habe bei SPORT1 eine zweimonatige Testphase vorbereitet und betreut und einige Erfahrungen gesammelt. Folgend meine Learnings zum Thema.

  • Keine kommerzielle Nutzung laut Bedingungen von WhatsApp
  • Werbung ist von WhatsApp nicht erwünscht und wird sehr wahrscheinlich mit Sperrung der eigenen Nummer bestraft
  • Rechts- und Datenschutzabteilung früh ins Boot holen
  • Eigenes Smartphone (in unserem Fall iPhone 6 Plus) inklusive SIM-Karte organisieren, das nur für diesen Dienst genutzt wird. Kein altes Smartphone verwenden, viele Kontakte und intensive WhatsApp-Nutzung benötigen ordentlich Rechenleistung
  • SIM-Karte während des Betriebs nicht aktivieren (also PIN einfach weglassen). Direkte Anrufe wollten wir vermeiden (und ja, es rufen sehr viele Menschen ohne Aufforderung an)

Einige Worte zum Workflow, denn der bereitet durchaus Hürden: Nach Start der Kommunikationsmaßnahmen stand unser iPhone nicht mehr still, im Zehntelsekundentakt gingen die Anmeldungen ein. Das führte bereits nach kurzer Zeit zu einer temporären Sperrung der Nummer, vier Stunden war die App nicht mehr nutzbar. Danach heißt es, jeden einzelnen Kontakt manuell im Telefon abzuspeichern und anschließend erneut jeden einzelnen Kontakt einer Broadcast-Liste hinzuzufügen. Eine Broadcast-Liste nimmt maximal 256 Kontakte auf. Inklusive Nachtschichten dauerte dieser Vorgang etwa drei Tage. By the way: Die aktive Bewerbung des Services hatten wir bereits nach einem Tag wieder abgestellt (das Bild entstand etwa eine Stunde nach dem Einführungs-Post bei Facebook).

Das Verschicken der Messages selbst gestaltet sich eigentlich als relativ unkompliziert. Message per Mail am Desktop vorbereiten, ans iPhone schicken und dort an jede einzelne Broadcast-Liste versenden. Problem bei der Sache: WhatsApp ist im deutschsprachigen Raum gut überlastet, deshalb reguliert der Dienst die Anzahl der verschickten Nachrichten (eine nützliche Karte findet sich hier). Nach einigen Listen ist Schluss und man muss warten. In unserem Fall hieß das: Das Verschicken nur einer Nachricht dauerte etwa fünf Stunden, Breaking News damit natürlich uninteressant.

Was wir aber gelernt haben: Der Service wird extrem gut aufgenommen, das Feedback ist zu 98% positiv (ganz im Gegensatz zum Userverhalten auf Facebook). Wir haben viele Messages, Sprachnachrichten und Videos zugeschickt und konstruktives Feedback bekommen.

Natürlich gibt es auch noch die Alternative, WhatsApp Web zu verwenden. Allerdings lassen sich dort weder Kontakte noch Broadcast Listen pflegen und die Performance bei vielen Kontakten lässt ebenfalls zu wünschen übrig.

Eine Alternative zum manuellen Versand sind professionelle Dienstleister, die exakt für diesen Anwendungszweck fertige Lösungen anbieten. Dort kommen massig SIM-Karten zum Einsatz (um der Spam-Sperre von WhatsApp zu entgehen), Messages können komfortabel über eine Web-Oberfläche verschickt werden. Nachteil an der Sache: Der Dienst könnte quasi über Nacht bzw. mit jedem Update von WhatsApp gesperrt werden.

Fazit: Für kleinere Redaktionen (erwartete Anmeldungen im niedrigen vierstelligen Bereich) bietet sich WhatsApp als zusätzlicher News-Kanal durchaus an – gerade wenn nur auf ein bestimmtes Event bezogen. Im hohen vierstelligen Bereich dagegen wird der Aufwand extrem hoch, darüber hinaus ist es nicht mehr händelbar. Eines aber ist klar: Vor dem Thema WhatsApp sollte sich kein Medium sperren, dafür ist es – mit weiter steigender Tendenz – zu bedeutend.

Update vom 22.09.2015: Mittlerweile haben wir unseren Dienst wieder gestartet. Infos hier

3 thoughts on “WhatsApp als Nachrichten-Kanal

  1. Robert says:

    Hallo Toby
    Müsste für mein Geschäft das WhatsApp brauche, Problematik ist, dass wir rund 25’000 Kontakte haben. Hier die Broadcast-Listen zu erstellen ist Horror und auch das Handy macht nicht mehr mit …. Weisst Du von Lösungen od. Anbietern, wie man das Medium WhatsApp so nutzen könnte?
    Danke für Deinen Rat.

    Gruss
    Robert

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>